Gussbauteile stellen Schweißer vor eine besondere Herausforderung: Grauguss (GG oder GJL) und Sphäroguss (GGG oder GJS) sind in ihrer chemischen Zusammensetzung und ihrem Gefüge grundverschieden von Baustählen. Der hohe Kohlenstoffgehalt – im Grauguss bis zu 3,5 % – macht konventionelles Schmelzschweißen fehleranfällig. Risse, Härtezonen oder Porositäten sind die typischen Folgen eines ungeeigneten Ansatzes.

Dennoch lassen sich viele gerissene oder gebrochene Gussteile mit dem richtigen Verfahren wirtschaftlich instand setzen – und das ohne die langen Lieferzeiten, die ein Neuguss oft mit sich bringt.

Das Fallbeispiel: gerissener Motorendeckel

In einem konkreten Instandsetzungsprojekt wurde ein massiver Motorendeckel aus Grauguss mit einem durchlaufenden Riss angeliefert. Der Deckel stammte aus einer älteren Anlage, für die Ersatzteile nicht mehr ab Lager lieferbar waren. Ein Neuguss hätte mehrere Monate Wartezeit bedeutet – bei gleichzeitigem Stillstand der Maschine.

Die Entscheidung fiel auf Instandsetzung durch Gussschweißung. Das Vorgehen gliederte sich in vier Phasen.

Phase 1: Schadensanalyse und Vorbereitung

Zunächst wurde der Riss vollständig freigegräbt – durch Schleifen bis in gesundes Material. Eine Sichtprüfung und stichprobenartige Magnetpulverprüfung stellten sicher, dass keine weiteren Risse vorhanden waren.

Kritisch: Grauguss enthält Öl- und Fettanteile, die sich über Jahre im Gefüge angesammelt haben. Ohne gründliches Entfetten und Ausglühen würde der Kohlenstoff beim Schweißen aus dem Grundwerkstoff in die Schweißzone ausdampfen und Poren oder Blasen verursachen. Der Deckel wurde daher vor dem Schweißen thermisch gereinigt.

Phase 2: Gussschweißung

Für Grauguss kommen im Wesentlichen zwei Ansätze infrage:

  • Kaltschweißen mit Nickelelektroden: Der Grundwerkstoff wird nicht vorgewärmt oder nur leicht angewärmt. Nickel hat eine gute Bindung zu Grauguss und bleibt duktil. Kurze Schweißraupen werden abwechselnd aufgebracht und direkt nach jedem Abschnitt gehämmert (Peening), um Schrumpfspannungen abzubauen.
  • Warmschweißen: Das gesamte Bauteil wird gleichmäßig auf 500–600 °C vorgewärmt und langsam abgekühlt. Das Ergebnis ist eine homogenere Verbindung, der Aufwand aber erheblich größer.

Im vorliegenden Fall wurde Kaltschweißen mit Nickelelektroden gewählt, da das Bauteil groß und komplex geformt war. Die Nähte wurden lagenweise aufgebaut; nach jedem Durchgang erfolgte Sichtprüfung und bei Bedarf Nachschleifen.

Phase 3: Beschichtung

Nach abgeschlossener Schweißung und Abkühlung folgte der Beschichtungsaufbau. Ziel war die Wiederherstellung der ursprünglichen Maßhaltigkeit und Oberflächengüte – der Deckel musste dichtend auf einer Flanschfläche aufliegen.

Die Reparaturschweißung erzeugt unweigerlich Eigenspannungen und leichte Verwerfungen. Eine Spachtelmasse auf Epoxidbasis, ausgelegt für metallische Untergründe, ermöglichte den Ausgleich von Unregelmäßigkeiten, bevor die eigentliche Schutzlackierung aufgetragen wurde.

Phase 4: Planfräsen

Der letzte Schritt war das Planfräsen der Dichtfläche. Nur so ließ sich sicherstellen, dass die Fläche die erforderliche Ebenheit und Rautiefe für die Dichtung einhält. Das Ergebnis: eine maßhaltige, dicht schließende Fläche ohne Nacharbeit.

Wann lohnt sich Instandsetzung statt Neuteil?

Die Entscheidung hängt von mehreren Faktoren ab:

  • Lieferzeit: Bei langen Wartezeiten auf Neuguss oder Ersatzteile überwiegt der wirtschaftliche Vorteil der Reparatur in der Regel deutlich.
  • Schadensausmaß: Ein durchlaufender Riss ist häufig reparierbar. Großflächige Ausbrüche oder strukturelle Schäden an tragenden Querschnitten erfordern eine sorgfältigere Abwägung.
  • Bauteilwert: Bei teuren Sonderteilen – Getriebegehäusen, Pumpengehäusen, Maschinenbetten – ist die Instandsetzung oft günstiger als der Neukauf, selbst wenn der Aufwand hoch ist.
  • Restlebensdauer: Eine fachgerecht ausgeführte Gussschweißung hält bei moderaten Belastungen viele Jahre. Die Verbindung ist nicht zwangsläufig die Schwachstelle.

Was TMH Stahlbau anbietet

Wir übernehmen Gussschweißungen und Bauteil-Instandsetzungen als Dienstleistung – von der Schadensaufnahme über die Schweißung bis zur Nachbearbeitung. Wenn Sie unsicher sind, ob ein Bauteil noch reparierbar ist, schicken Sie uns eine kurze Schadensbeschreibung oder Fotos. Wir geben eine ehrliche Einschätzung, bevor Sie eine Entscheidung treffen.

Stillstandzeiten sind teuer. In vielen Fällen ist die Instandsetzung der schnellere und wirtschaftlichere Weg zurück in den Betrieb.

Cast components present welders with a particular challenge: grey cast iron (GJL) and nodular cast iron (GJS) differ fundamentally from structural steels in their chemical composition and microstructure. The high carbon content – up to 3.5 % in grey cast iron – makes conventional fusion welding error-prone. Cracks, hardening zones or porosity are the typical consequences of an inappropriate approach.

Nevertheless, many cracked or broken castings can be economically repaired using the right process – without the long lead times that a new casting often entails.

The Case Study: Cracked Engine Cover

In a concrete repair project, a large engine cover made of grey cast iron was delivered with a through-going crack. The cover came from an older installation for which spare parts were no longer available from stock. A new casting would have meant several months' waiting time – with the machine standing idle in the meantime.

The decision was made in favour of repair by cast iron welding. The procedure was structured in four phases.

Phase 1: Damage Analysis and Preparation

First, the crack was fully exposed – by grinding down to sound material. Visual inspection and spot magnetic particle testing confirmed that no further cracks were present.

Critical detail: grey cast iron contains oil and grease that accumulate in the microstructure over years. Without thorough degreasing and annealing, carbon would vapourise from the base material into the weld zone during welding, causing porosity or blowholes. The cover was therefore thermally cleaned before welding.

Phase 2: Cast Iron Welding

For grey cast iron, two main approaches are available:

  • Cold welding with nickel electrodes: The base material is not preheated, or only slightly. Nickel bonds well to grey cast iron and remains ductile. Short weld beads are applied alternately and immediately peened after each section to relieve shrinkage stresses.
  • Hot welding: The entire component is uniformly preheated to 500–600 °C and cooled slowly. The result is a more homogeneous joint, but the effort involved is considerably greater.

In this case, cold welding with nickel electrodes was chosen because the component was large and complex in shape. Beads were built up layer by layer; after each pass, visual inspection was carried out and grinding performed where necessary.

Phase 3: Coating

After welding was complete and the component had cooled, the coating build-up followed. The aim was to restore the original dimensional accuracy and surface quality – the cover had to seal against a flange face.

Repair welding inevitably introduces residual stresses and slight distortion. An epoxy-based filler compound, designed for metallic substrates, allowed irregularities to be levelled before the protective topcoat was applied.

Phase 4: Surface Milling

The final step was milling the sealing face flat. Only in this way could it be ensured that the surface met the required flatness and roughness for the gasket. The result: a dimensionally accurate, tightly sealing surface without further rework.

When Does Repair Make More Sense Than Replacement?

The decision depends on several factors:

  • Lead time: When waiting times for new castings or spare parts are long, the economic advantage of repair usually clearly outweighs the alternative.
  • Extent of damage: A through-going crack is often repairable. Large-area breakouts or structural damage to load-bearing cross-sections require more careful assessment.
  • Component value: For expensive special parts – gearboxes, pump casings, machine beds – repair is often cheaper than replacement, even when the effort is high.
  • Remaining service life: A properly executed cast iron weld holds for many years under moderate loading. The joint is not necessarily the weakest point.

What TMH Stahlbau Offers

We carry out cast iron welding and component repair as a service – from damage assessment through to welding and post-processing. If you are unsure whether a component can still be repaired, send us a brief damage description or photographs. We provide an honest assessment before you make a decision.

Downtime is expensive. In many cases, repair is the faster and more cost-effective route back to operation.

Gussbauteile stellen Schweißer vor eine besondere Herausforderung: Grauguss (GG oder GJL) und Sphäroguss (GGG oder GJS) sind in ihrer chemischen Zusammensetzung und ihrem Gefüge grundverschieden von Baustählen. Der hohe Kohlenstoffgehalt – im Grauguss bis zu 3,5 % – macht konventionelles Schmelzschweißen fehleranfällig. Risse, Härtezonen oder Porositäten sind die typischen Folgen eines ungeeigneten Ansatzes.

Dennoch lassen sich viele gerissene oder gebrochene Gussteile mit dem richtigen Verfahren wirtschaftlich instand setzen – und das ohne die langen Lieferzeiten, die ein Neuguss oft mit sich bringt.

Das Fallbeispiel: gerissener Motorendeckel

In einem konkreten Instandsetzungsprojekt wurde ein massiver Motorendeckel aus Grauguss mit einem durchlaufenden Riss angeliefert. Der Deckel stammte aus einer älteren Anlage, für die Ersatzteile nicht mehr ab Lager lieferbar waren. Ein Neuguss hätte mehrere Monate Wartezeit bedeutet – bei gleichzeitigem Stillstand der Maschine.

Die Entscheidung fiel auf Instandsetzung durch Gussschweißung. Das Vorgehen gliederte sich in vier Phasen.

Phase 1: Schadensanalyse und Vorbereitung

Zunächst wurde der Riss vollständig freigegräbt – durch Schleifen bis in gesundes Material. Eine Sichtprüfung und stichprobenartige Magnetpulverprüfung stellten sicher, dass keine weiteren Risse vorhanden waren.

Kritisch: Grauguss enthält Öl- und Fettanteile, die sich über Jahre im Gefüge angesammelt haben. Ohne gründliches Entfetten und Ausglühen würde der Kohlenstoff beim Schweißen aus dem Grundwerkstoff in die Schweißzone ausdampfen und Poren oder Blasen verursachen. Der Deckel wurde daher vor dem Schweißen thermisch gereinigt.

Phase 2: Gussschweißung

Für Grauguss kommen im Wesentlichen zwei Ansätze infrage:

  • Kaltschweißen mit Nickelelektroden: Der Grundwerkstoff wird nicht vorgewärmt oder nur leicht angewärmt. Nickel hat eine gute Bindung zu Grauguss und bleibt duktil. Kurze Schweißraupen werden abwechselnd aufgebracht und direkt nach jedem Abschnitt gehämmert (Peening), um Schrumpfspannungen abzubauen.
  • Warmschweißen: Das gesamte Bauteil wird gleichmäßig auf 500–600 °C vorgewärmt und langsam abgekühlt. Das Ergebnis ist eine homogenere Verbindung, der Aufwand aber erheblich größer.

Im vorliegenden Fall wurde Kaltschweißen mit Nickelelektroden gewählt, da das Bauteil groß und komplex geformt war. Die Nähte wurden lagenweise aufgebaut; nach jedem Durchgang erfolgte Sichtprüfung und bei Bedarf Nachschleifen.

Phase 3: Beschichtung

Nach abgeschlossener Schweißung und Abkühlung folgte der Beschichtungsaufbau. Ziel war die Wiederherstellung der ursprünglichen Maßhaltigkeit und Oberflächengüte – der Deckel musste dichtend auf einer Flanschfläche aufliegen.

Die Reparaturschweißung erzeugt unweigerlich Eigenspannungen und leichte Verwerfungen. Eine Spachtelmasse auf Epoxidbasis, ausgelegt für metallische Untergründe, ermöglichte den Ausgleich von Unregelmäßigkeiten, bevor die eigentliche Schutzlackierung aufgetragen wurde.

Phase 4: Planfräsen

Der letzte Schritt war das Planfräsen der Dichtfläche. Nur so ließ sich sicherstellen, dass die Fläche die erforderliche Ebenheit und Rautiefe für die Dichtung einhält. Das Ergebnis: eine maßhaltige, dicht schließende Fläche ohne Nacharbeit.

Wann lohnt sich Instandsetzung statt Neuteil?

Die Entscheidung hängt von mehreren Faktoren ab:

  • Lieferzeit: Bei langen Wartezeiten auf Neuguss oder Ersatzteile überwiegt der wirtschaftliche Vorteil der Reparatur in der Regel deutlich.
  • Schadensausmaß: Ein durchlaufender Riss ist häufig reparierbar. Großflächige Ausbrüche oder strukturelle Schäden an tragenden Querschnitten erfordern eine sorgfältigere Abwägung.
  • Bauteilwert: Bei teuren Sonderteilen – Getriebegehäusen, Pumpengehäusen, Maschinenbetten – ist die Instandsetzung oft günstiger als der Neukauf, selbst wenn der Aufwand hoch ist.
  • Restlebensdauer: Eine fachgerecht ausgeführte Gussschweißung hält bei moderaten Belastungen viele Jahre. Die Verbindung ist nicht zwangsläufig die Schwachstelle.

Was TMH Stahlbau anbietet

Wir übernehmen Gussschweißungen und Bauteil-Instandsetzungen als Dienstleistung – von der Schadensaufnahme über die Schweißung bis zur Nachbearbeitung. Wenn Sie unsicher sind, ob ein Bauteil noch reparierbar ist, schicken Sie uns eine kurze Schadensbeschreibung oder Fotos. Wir geben eine ehrliche Einschätzung, bevor Sie eine Entscheidung treffen.

Stillstandzeiten sind teuer. In vielen Fällen ist die Instandsetzung der schnellere und wirtschaftlichere Weg zurück in den Betrieb.

Fragen zu Ihrem Schweißprojekt? Questions about your welding project? Pytania dotyczące projektu spawalniczego?

Zertifizierter Schweißfachbetrieb nach EN 1090-2 EXC4 und EN ISO 3834-2 — Stahl- und Maschinenbau, Montage, Instandsetzung. Schnelle Reaktionszeiten. Certified welding specialist to EN 1090-2 EXC4 and EN ISO 3834-2 — steel construction, mechanical engineering, assembly, repair. Fast response times. Certyfikowana spawalnia wg EN 1090-2 EXC4 i EN ISO 3834-2 — konstrukcje stalowe, inżynieria mechaniczna, montaż, naprawa.

Anfrage stellen Request quote Wyślij zapytanie Schweißverfahren entdecken Explore welding processes Poznaj metody spawania