Hochfeste Feinkornbaustähle bieten gegenüber konventionellem Baustahl (S235, S355) deutlich höhere Streckgrenzen bei gleichem Querschnitt. Die Folge: schlankere Profile, weniger Gewicht, niedrigere Transport- und Montagekosten. In der Praxis setzt sich S460 im Brücken- und Kranbau seit Jahren durch; S690 gewinnt in sicherheitsrelevanten Fahrzeug- und Maschinenbauteilen an Bedeutung.

Doch mit steigender Festigkeit steigen auch die Anforderungen an das Schweißen – und an das Verständnis der Metallurgie dahinter.

Warum reagieren Feinkornstähle empfindlicher auf Wärme?

Der Name verrät das Prinzip: Feinkornstähle erhalten ihre hohe Festigkeit durch eine fein abgestimmte Mikrostruktur. Mikro-Legierungselemente wie Niob, Vanadium oder Titan blockieren das Kornwachstum während des Walzens oder der Wärmebehandlung. Das Ergebnis ist ein sehr feinkörniges Gefüge mit hoher Zähigkeit und Festigkeit.

Dieses Gefüge ist wärmeempfindlich. Eine zu hohe Streckenenergie beim Schweißen – also zu viel Wärme pro Längeneinheit Naht – führt zu Kornwachstum in der Wärmeeinflusszone (WEZ). Das Ergebnis: Die WEZ verliert einen Teil der ursprünglichen Festigkeit. Bei S690 kann dieser Effekt sicherheitsrelevant werden.

Gleichzeitig darf die eingebrachte Wärme nicht zu gering sein. Eine zu schnelle Abkühlung begünstigt die Bildung von Martensit – einer harten, spröden Phase, die Risse fördert. Die korrekte Wärmeführung bewegt sich also in einem definierten Korridor.

Vorwärmen: Pflicht, nicht Option

Das Vorwärmen dient dazu, die Abkühlgeschwindigkeit in der WEZ zu reduzieren. Bei S460 ist in vielen Einbausituationen ein Vorwärmen auf 100–150 °C erforderlich; bei S690 können je nach Bauteildicke und Kohlenstoffäquivalent Temperaturen von bis zu 200 °C oder mehr notwendig sein.

Entscheidend dabei:

  • Die Vorwärmtemperatur muss über die gesamte Nahtlänge und -tiefe eingehalten werden – nicht nur an der Oberfläche.
  • Sie muss während der gesamten Schweißung gehalten werden (Mindesttemperatur zwischen den Lagen = Zwischenlagentemperatur).
  • Abmessungen, Stahlsorte und Nahtgeometrie bestimmen den konkreten Wert; in der Regel folgt man der Empfehlung aus der Schweißverfahrensprüfung (WPS).

Fehlende oder unzureichende Vorwärmung ist die häufigste Ursache für Kalt- und Wasserstoffrisse in hochfesten Stählen.

Streckenenergie im Griff behalten

Die Streckenenergie (Heat Input) beschreibt die je Längeneinheit Schweißnaht eingebrachte Wärme. Sie berechnet sich aus Spannung, Stromstärke und Schweißgeschwindigkeit. Für hochfeste Stähle gibt die Schweißanweisung (WPS) in der Regel ein Fenster vor – einen Mindest- und einen Maximalwert.

Zu niedrige Streckenenergie: Risiko von Kalt- und Wasserstoffrissen, mangelnde Bindung. Zu hohe Streckenenergie: Kornwachstum, Festigkeitsabfall in der WEZ, mögliche Überhitzungszone.

In der Praxis steuern gut ausgebildete Schweißer die Streckenenergie über Pendelbreite, Schweißgeschwindigkeit und Nahtführung. Automatisierte Verfahren (MAG-Mechanisierung, Orbitalschweißen) erleichtern die Einhaltung des Korridors erheblich.

Abkühlbedingungen – oft unterschätzt

Zugluft, Kälte und Nässe sind beim Schweißen hochfester Stähle keine Kleinigkeit. Die Abkühlzeit t₈/₅ (die Zeit, in der das Bauteil von 800 °C auf 500 °C abkühlt) ist ein wichtiger Parameter. Kurze Abkühlzeiten fördern Härtezonen; lange Abkühlzeiten begünstigen Kornwachstum.

In der Werkstattschweißung lassen sich Abkühlbedingungen gut kontrollieren. Bei der Montageschweißung auf der Baustelle erfordern tiefe Temperaturen oder Wind entsprechende Maßnahmen: Zelte, Wärmedecken oder elektrische Heizmatten.

Was bedeutet das für die Vergabe?

Wenn Sie eine Konstruktion aus S460 oder S690 beauftragen, sollten Sie prüfen:

  • Liegt eine WPS für den gewählten Stahl vor?
  • Verfügt der Betrieb über ausreichend kalibrierte Vorwärmgeräte?
  • Sind die Schweißer mit hochfesten Stählen vertraut – und ist das durch die Schweißerprüfungen belegt?
  • Wie wird die Streckenenergie überwacht und dokumentiert?

TMH Stahlbau verarbeitet im Rahmen von Maschinenbau- und Sonderstahlbau-Projekten regelmäßig hochfeste Feinkornstähle. Sprechen Sie uns bei Ihrem Vorhaben frühzeitig an – dann können wir gemeinsam die optimale Verfahrenswahl treffen, bevor die Fertigung beginnt.

Häufige Fragen

Wie lässt sich das Risiko von Kornwachstum bei zu hoher Streckenenergie praktisch quantifizieren und welche Messmethoden werden dafür im Werk eingesetzt?
Durch Härteprüfungen entlang der Wärmeeinflusszone (z. B. Vickers‑Messung) lassen sich lokale Festigkeitsverluste erkennen, die auf Kornwachstum hinweisen. Zusätzlich wird häufig das Metallografische Mikroskopie‑Protokoll verwendet, um die Korngröße direkt zu bestimmen.

Welche zusätzlichen Kosten entstehen durch ein Vorwärmen auf 200 °C im Vergleich zum Verzicht darauf, insbesondere bei groß dimensionierten Bauteilen?
Die Hauptkosten ergeben sich aus dem Energieverbrauch des Heizgeräts und der längeren Vorbereitungszeit; bei großen Strukturen kann das Vorwärmen die Schweißdauer um bis zu 30 % erhöhen. Zusätzlich fallen Aufwendungen für Temperaturüberwachung (Thermo‑Kabel, Datenlogger) und eventuell notwendige Isolationsmaterialien an.

Wie lange darf maximal zwischen zwei Schweißlagen vergehen, bevor die Zwischenlagentemperatur wieder unterschritten wird?
Der Zeitraum ist abhängig von der Bauteildicke, liegt aber typischerweise bei weniger als 10 Minuten für S690‑Stähle; überschreitet man diese Grenze, steigt das Risiko von Kalt- und Wasserstoffrissen erheblich. In kritischen Anwendungen wird ein kontinuierliches Temperaturmonitoring empfohlen, um die Schwelle nicht zu unterschreiten.

Wer trägt im Projekt die Verantwortung für die Einhaltung des gesamten Wärmeeinfluss‑Korridors – Schweißer, Schweißingenieur oder Qualitätsmanagement?
Der Schweißingenieur definiert den Wärme­eingangskorridor und legt die Vorwärm‑ sowie Abkühlbedingungen fest; das Qualitätsmanagement prüft die Umsetzung durch Audits. Der ausführende Schweißer ist für die operative Einhaltung (z. B. korrekte Pendelbreite, Temperaturüberwachung) verantwortlich, jedoch nur innerhalb des von den Fachplanern vorgegebenen Rahmens.

High-strength fine-grain structural steels offer significantly higher yield strengths than conventional structural steel (S235, S355) for the same cross-section. The result: slimmer profiles, less weight, lower transport and assembly costs. In practice, S460 has established itself in bridge and crane construction; S690 is gaining importance in safety-relevant vehicle and machine components.

But as strength increases, so do the demands on welding – and on an understanding of the underlying metallurgy.

Why Are Fine-Grain Steels More Sensitive to Heat?

The name reveals the principle: fine-grain steels derive their high strength from a finely tuned microstructure. Micro-alloying elements such as niobium, vanadium or titanium inhibit grain growth during rolling or heat treatment. The result is a very fine-grained structure with high toughness and strength.

This structure is heat-sensitive. Excessive heat input during welding – too much heat per unit length of weld – leads to grain growth in the heat-affected zone (HAZ). The result: the HAZ loses some of its original strength. In S690, this effect can become safety-relevant.

At the same time, heat input must not be too low. Too rapid cooling promotes the formation of martensite – a hard, brittle phase that promotes cracking. Correct heat management therefore operates within a defined corridor.

Preheating: Mandatory, Not Optional

Preheating reduces the cooling rate in the HAZ. For S460, preheating to 100–150 °C is required in many installation situations; for S690, temperatures of up to 200 °C or more may be necessary depending on component thickness and carbon equivalent.

Key points:

  • The preheat temperature must be maintained across the entire weld length and depth – not just at the surface.
  • It must be maintained throughout the entire welding operation (minimum temperature between passes = interpass temperature).
  • Dimensions, steel grade and joint geometry determine the specific value; in practice, the recommendation from the welding procedure qualification (WPS) is followed.

Insufficient or missing preheating is the most common cause of cold and hydrogen cracking in high-strength steels.

Controlling Heat Input

Heat input describes the energy introduced per unit length of weld. It is calculated from voltage, current and welding speed. For high-strength steels, the welding procedure specification (WPS) typically defines a corridor – a minimum and a maximum value.

Too low heat input: risk of cold and hydrogen cracking, insufficient fusion. Too high heat input: grain growth, strength reduction in the HAZ, possible overheating zone.

In practice, well-trained welders control heat input through weave width, travel speed and bead placement. Mechanised processes (MAG mechanisation, orbital welding) greatly facilitate maintaining the corridor.

Cooling Conditions – Often Underestimated

Draughts, cold and moisture are not trivial when welding high-strength steels. The cooling time t₈/₅ (the time for the component to cool from 800 °C to 500 °C) is an important parameter. Short cooling times promote hardening zones; long cooling times encourage grain growth.

In shop welding, cooling conditions can be well controlled. In site welding, low temperatures or wind require appropriate measures: tents, thermal blankets or electric heating mats.

What Does This Mean for Contract Award?

When commissioning a structure from S460 or S690, you should check:

  • Is a WPS available for the chosen steel?
  • Does the contractor have sufficient calibrated preheating equipment?
  • Are the welders familiar with high-strength steels – and is this documented by their welder qualification records?
  • How is heat input monitored and documented?

TMH Stahlbau regularly processes high-strength fine-grain steels as part of mechanical engineering and special steel construction projects. Contact us early in your project – we can then jointly select the optimum procedure before production begins.

Wysokowytrzymałe stale drobnoziarniste konstrukcyjne oferują przy tym samym przekroju znacznie wyższe granice plastyczności niż stal konstrukcyjna konwencjonalna (S235, S355). Skutek: smuklejsze profile, mniejsza masa, niższe koszty transportu i montażu. W praktyce S460 od lat sprawdza się w budowie mostów i dźwigów; S690 zyskuje na znaczeniu w elementach pojazdów i maszyn o krytycznym znaczeniu dla bezpieczeństwa.

Wraz ze wzrostem wytrzymałości rosną jednak także wymagania dotyczące spawania – oraz zrozumienia leżącej u ich podstaw metalurgii.

Dlaczego stale drobnoziarniste reagują wrażliwiej na ciepło?

Nazwa zdradza zasadę działania: stale drobnoziarniste zawdzięczają swoją wysoką wytrzymałość precyzyjnie dostrojonej mikrostrukturze. Mikrododatki stopowe, takie jak niob, wanad czy tytan, blokują rozrost ziarna podczas walcowania lub obróbki cieplnej. Rezultatem jest bardzo drobnoziarnista struktura o wysokiej udarności i wytrzymałości.

Struktura ta jest wrażliwa na ciepło. Zbyt wysoka energia liniowa podczas spawania – czyli zbyt dużo ciepła na jednostkę długości spoiny – prowadzi do rozrostu ziarna w strefie wpływu ciepła (SWC). Skutek: SWC traci część pierwotnej wytrzymałości. W przypadku S690 efekt ten może mieć znaczenie dla bezpieczeństwa.

Jednocześnie wprowadzane ciepło nie może być zbyt małe. Zbyt szybkie chłodzenie sprzyja powstawaniu martenzytu – twardej, kruchej fazy, która sprzyja pękaniu. Prawidłowe prowadzenie ciepła porusza się zatem w określonym korytarzu wartości.

Podgrzewanie wstępne: obowiązek, nie opcja

Podgrzewanie wstępne służy do zmniejszenia szybkości chłodzenia w SWC. W przypadku S460 w wielu sytuacjach montażowych wymagane jest podgrzewanie do 100–150 °C; przy S690, w zależności od grubości elementu i równoważnika węgla, mogą być konieczne temperatury do 200 °C lub więcej.

Kluczowe znaczenie mają:

  • Temperaturę podgrzewania wstępnego należy utrzymywać na całej długości i głębokości spoiny – nie tylko na powierzchni.
  • Musi być ona utrzymywana przez cały czas trwania spawania (temperatura minimalna między ściegami = temperatura międzyściegowa).
  • Wymiary, gatunek stali i geometria spoiny określają konkretną wartość; z reguły stosuje się zalecenie wynikające z badania technologii spawania (WPS).

Brak lub niewystarczające podgrzewanie wstępne jest najczęstszą przyczyną pęknięć zimnych i wodorowych w stalach wysokowytrzymałych.

Kontrola energii liniowej

Energia liniowa (heat input) opisuje ilość ciepła wprowadzanego na jednostkę długości spoiny. Oblicza się ją z napięcia, natężenia prądu i prędkości spawania. Dla stali wysokowytrzymałych instrukcja technologiczna spawania (WPS) z reguły określa okno wartości – wartość minimalną i maksymalną.

Zbyt niska energia liniowa: ryzyko pęknięć zimnych i wodorowych, niewystarczające przetopienie. Zbyt wysoka energia liniowa: rozrost ziarna, spadek wytrzymałości w SWC, możliwa strefa przegrzania.

W praktyce dobrze wyszkoleni spawacze kontrolują energię liniową poprzez szerokość wahań elektrody, prędkość spawania i prowadzenie spoiny. Procesy zautomatyzowane (mechanizacja MAG, spawanie orbitalne) znacznie ułatwiają utrzymanie się w wymaganym korytarzu.

Warunki chłodzenia – często niedoceniane

Przeciągi, zimno i wilgoć nie są przy spawaniu stali wysokowytrzymałych sprawą drugorzędną. Czas chłodzenia t₈/₅ (czas, w którym element schładza się z 800 °C do 500 °C) jest istotnym parametrem. Krótkie czasy chłodzenia sprzyjają powstawaniu stref utwardzonych; długie czasy chłodzenia sprzyjają rozrostowi ziarna.

W spawaniu warsztatowym warunki chłodzenia można dobrze kontrolować. Przy spawaniu montażowym na budowie niskie temperatury lub wiatr wymagają odpowiednich środków zaradczych: namiotów, mat grzewczych lub elektrycznych mat ogrzewających.

Co to oznacza przy zlecaniu prac?

Zlecając konstrukcję ze stali S460 lub S690, warto sprawdzić:

  • Czy dla wybranej stali dostępny jest WPS?
  • Czy firma dysponuje odpowiednio skalibrowanymi urządzeniami do podgrzewania wstępnego?
  • Czy spawacze są zaznajomieni ze stalami wysokowytrzymałymi – i czy potwierdzają to ich uprawnienia spawalnicze?
  • Jak monitorowana i dokumentowana jest energia liniowa?

TMH Stahlbau regularnie przetwarza wysokowytrzymałe stale drobnoziarniste w ramach projektów z zakresu budowy maszyn i konstrukcji stalowych specjalnych. Prosimy o wczesny kontakt przy Państwa przedsięwzięciu – wtedy możemy wspólnie dobrać optymalną technologię, zanim rozpocznie się produkcja.

Fragen zu Ihrem Schweißprojekt? Questions about your welding project? Pytania dotyczące projektu spawalniczego?

Stahl- und Maschinenbau, Betonstahl-Schweißen nach DIN EN ISO 17660-1 (TMH Holm); EN 1090-2 EXC4 und EN ISO 3834-2 über das Schwesterwerk TMH Drechsler — Montage, Instandsetzung. Schnelle Reaktionszeiten. Steel and mechanical engineering, rebar welding to DIN EN ISO 17660-1 (TMH Holm); EN 1090-2 EXC4 and EN ISO 3834-2 via sister works TMH Drechsler — assembly, repair. Fast response times. Konstrukcje stalowe i inżynieria mechaniczna, spawanie zbrojenia wg DIN EN ISO 17660-1 (TMH Holm); EN 1090-2 EXC4 i EN ISO 3834-2 przez zakład siostrzany TMH Drechsler — montaż, naprawa.

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